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Die Finanz-Bazooka mit Platzpatronen

Mit einer Finanz-Bazooka wollten Wirtschafts- und Finanzminister gegen die Pandemie ankämpfen. Doch statt Geld-Raketen und Unterstützungs-Bomben, gab es nur Platzpatronen. Die Soforthilfen haben vor einem Jahr vielen krisengeplagten Selbständigen geholfen – dies liest sich in einer Studie von DIW-Forschern – allerdings mit einem riesen Aber. Von schnellen Corona-Hilfen profitieren krisengebeutelte Selbständige am ehesten. Jedoch hat die Soforthilfe von Bund und Ländern im vergangenen Frühjahr, zu Beginn der Pandemie, keine nachhaltige Wirkung entwickelt. Dies zeigt die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das DIW hat diese Ergebnisse in einer Untersuchung mit mehr als 20.000 Selbständigen mit bis zu neun Beschäftigten erhoben. Dabei wurden diese zu Entwicklungen in den ersten Krisenmonaten der Corona-Pandemie befragt.

Besonders viele Platzpatronen für Soloselbstständige, Klein-Unternehmen und Start-Ups

Schneider, Fotografen, Nageldesigner und viele weitere wurden ihrer Lebensgrundlage enteignet. Auch uns als Unternehmensberaterin gingen die Aufträge aus. Die Corona-Krise traf besonders Soloselbständige, kleine Betriebe und Start-Ups mit Wums. Jedoch kein Wums brachten die angekündigten Corona-Hilfen. Vielmehr gab es einen Wums an Bürokratie, Papierkrieg und Dokumentendschungel. Damit wurde die Munition der Bazooka zu Platzpatronen. Vor einem Jahr, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Millionen Selbständigen hierzulande mit geschwollener Brust verkündet, dass man sie und ihre Unternehmen „nicht im Stich lassen“ werde.

Schnelle Hilfe zahlt sich aus

Tatsächlich hat der Staat geholfen, ungewohnt schnell – innerhalb weniger Tage zahlten Bund und Länder erste Hilfen an Betroffene aus. Das Team der DIW-Studie hat gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Forschungszentrum Mittelstand (FZM) der Universität Trier ausgewertet, welchen Effekt dieses Instrument auf krisengeplagte Selbständige hatte. Dafür verglichen sie die Einschätzungen von Freiberufler und Selbständigen. Diese Betroffenen gehören zur Gruppe von Soforthilfe-Empfängern. In der anderen planten sie, den Zuschuss zu beantragen, hatten es aber zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht getan. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Interessantes herausgefunden. Hierbei zeigte sich das Betroffene, welche die Soforthilfe bereits erhalten hatten, ihre Wahrscheinlichkeit in zwölf Monaten noch selbständig tätig zu sein, im Schnitt um 6,5 Prozent höher einschätzten als diejenigen, bei denen die Corona-Hilfen noch nicht ausbezahlt oder beantragt wurden. Besonders gute Wahrscheinlichkeitsprognosen kamen von gebeutelten Branchen wie der Gastronomie, Kunst, Kultur, Unterhaltung und Erholung. Die Prognose stieg hier um rund zehn Prozent.

Zeit ist Geld und bildet Zukunft

Dieser Effekt lies sich nur abbilden, wenn die Hilfen tatsächlich innerhalb weniger Tage bestätigt und ausbezahlt wurden. Hat sich der Bewilligungs- und Auszahlungsprozess, wie in einigen Fällen länger als eine Woche hingezogen, konnte ein positive Effekt nicht mehr festgestellt werden. Laut dem Forschungsdirektor der DIW haben diese Ergebnisse psychologische Hintergründe. Ein Autor der Studie hat festgestellt, dass Sobald sich die Selbständigen nicht darauf verlassen konnten, schnell Hilfe vom Staat zu erhalten, sie sich anderweitig Hilfe suchen mussten. Häufig geschah dies bei Freunden, Bekannten oder auch Banken. Einige haben auch schon ans Aufgeben gedacht. Während die Selbständigen kurz nach der Auszahlung der Soforthilfe noch vergleichsweise optimistisch in die Zukunft blickten, nahm diese Auswirkung ab, je länger die Auszahlung zurücklag. Jeder Tag ohne finanzielle Hilfen in der die Corona-Krise, hat vielen Betroffenen klar gemacht, dass das Geld nicht mehr lange ausreicht und der positive Effekt zunehmend verpuffen wird.

Platzpatronen verfehlen ihr Ziel

Die Soforthilfe ist schon lange Geschichte, mittlerweile hat die Bundesregierung mehrere Nachfolgeprogramme aufgelegt, um Selbständigen durch die Krise zu helfen. Diese Zuschüsse und Hilfen sind als Einmalzahlungen ausgelegt. Damit verfehlen die Zuschüsse ihr Ziel – die finanzielle Nachhaltigkeit. Das wird besonders von Betroffenen, Verbände und auch den Studienautoren deutlich kritisiert. Wir kritisieren in diesem Zusammenhang im besonderen Maße, dass noch während der Antragsverfahren und bereits nach Zustellung von Bescheiden, die Regeln für die Beantragung immer wieder zum Nachteil der Antragssteller angepasst wurden. Zudem war es bei den bisherigen Finanzspritzen nicht möglich, den Betrag neben den Betriebskosten auch für den Lebensunterhalt zu verwenden. Die Bundesregierung verwies stets darauf, stattdessen den Zugang zur Grundsicherung erleichtert zu haben.

Dynamische Krisenentwicklungen erfordern flexiblere Hilfen

Das Forscherteam von DIW und FZM sprechen sich für ein einziges fortlaufendes Hilfsinstrument für Selbständige aus. Dieses Instrument bedarf noch einer einheitlichen Entwicklung. Das vermeidet besonders einen Dschungel aus verschiedensten Programmen. So kann die Finanzverwaltung, die einen guten Überblick über die Einnahmen und Ausgaben der Selbständigen besitzt, in besonders schlechten Monaten, punktuell und bedarfsgerecht finanzielle Unterstützung gewähren. Dies gilt dann für Betriebskosten für Lebenshaltungskosten in begrenztem Umfang. Auch der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) hat diese Idee bereits vergangenes Jahr geäußert. Hierbei zeigen sich selbst einzelne Finanzbeamte aufgeschlossen. Doch die Bundesregierung hat keine klare Haltung dazu. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, dass sich die Zuschüsse aus einem neuen Hilfsinstrument, der Neustarthilfe für Soloselbständige, erstmals auch für Lebenshaltungskosten verwenden lassen.

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